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Tschüss Ihr Koffer

Die lustigsten und skurrilsten Ereignisse aus 13 Jahren Kreuzfahrt - aus Sicht der Crew.
Witzig, informativ und emotional !!! DAS neue Kreuzfahrtbuch für alle Fans.

„Mit diesem Buch ist Sophie Behrendt ein noch nicht da gewesener, authentischer und sehr unterhaltsamer Blick auf das Leben an Bord gelungen. Mit viel Freude und Emotion erzählt sie aus ihrem Leben als Entertainmentmanagerin einer bekannten deutschen Reederei. 13 Jahre ist sie zur See gefahren, davon 10 Jahre in verantwortlicher Position - da gibt es natürlich viel zu berichten. Ob hinter den Kulissen oder im Umgang mit Gästen, viele lustige und skurrile Erlebnisse nehmen den Leser mit zu den schönsten Orten der Welt. Wenn Sie also schon das ein oder andere Mal an Bord waren oder sogar Vielfahrer sind und sich deshalb schon immer mal gefragt haben: Wie ist eigentlich eine Kreuzfahrt aus Sicht der Crew? Was sind die skurrilsten Ereignisse, die an Bord passieren? Dann ist das IHR Buch.“  
           

288 Seiten   
Preis: 12,80 Euro




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LESEPROBE

(Cover Rückseite):
Ich fahre seit über 13 Jahren zur See, davon die meiste Zeit als Entertainment Managerin. Das sind 156 Monate, 56.940 Tage oder 1.366.560 Stunden. Ich habe heftige Stürme erlebt und schwüle Flauten, dichten Nebel und sogar Schnee. Bei welchem Wetter wir auch immer unterwegs waren, der Schiffsbetrieb hat niemals gestoppt. Ich habe Gäste vor dem Ertrinken gerettet, vor Haftstrafen bewahrt und versucht, Inuits auf Grönland vor Kreuzfahrern zu beschützen. Mein Name ist Sophie Behrendt und das sind meine skurillsten Erlebnisse aus 13 Jahren Kreuzfahrt.


IM VOLLSUFF ZUM ALKOHOLTEST

Noch größere Probleme durch Selbstüberschätzung bekommt man allerdings, wenn es um die eigene Trinkfestigkeit geht. So wurde ich einmal früh morgens gegen 05:30 Uhr vom Staffkapitän angerufen. „Sofort den Kollegen Lichttechniker zum Alkoholtest ins Hospital schicken“, tönte es durch die Leitung. „Der Doktor ist schon auf dem Weg und war- tet.“ „Was – ääääh – wo? Wer?“, gähnte ich noch völlig verschlafen und verstand gar nicht, worum es ging. „Sofort den Kollegen Lichttechniker zum Hospital. Alkoholtest!“ „Ah, ja. Ok. Ich kümmere mich darum“, brummelte ich schnell, immer noch nicht wirklich wach und legte auf. Was für ein wunderschöner Morgen!

Schlaftrunken versuchte ich erst mal alle meine Sinne zusammenzusammeln und dann den Kollegen Lichttechniker anzurufen. Er hatte zum Glück auch ein mobiles Schiffstelefon und sollte daher einfach aufzufinden sein. Ich ließ es klingeln. Ein Mal, zwei Mal, bestimmt acht Mal. Keiner ging ran. Ich rief auf seiner Kabine an, auch hier nahm niemand ab. Ich versuchte beide Telefone noch zwei Mal, doch es tat sich nichts. Na toll, wie sollte ich den denn finden bei über 300 Crewkabinen?

Vielleicht lag er auch irgendwo in der Ecke, weil er so betrunken war. Oder irgendwo im Passagierbereich? Millionen Möglichkeiten schossen mir durch den Kopf. Fakt war, der Typ musste zum Hospital, der Arzt wartete dort schon auf ihn und wenn ich ihn nicht aufgabelte, klingelte mein Telefon gleich wieder. Ich stand also auf. Eine Ladung kaltes Wasser ins Gesicht und ab in die Uniform. Erst mal machte ich mich auf den Weg zu seiner Kabine. Vielleicht hatte er die Bimmelei ja tatsächlich überhört oder sein Telefon stumm geschaltet, wer weiß.

Als ich vor der Kabinentür stand, sah ich durch den kleinen Schlitz unterhalb der Türe, dass Licht brannte. Also sollte doch jemand da sein. Ich klopfte an, doch niemand machte auf. Ich klopfte nochmals, nichts passierte. Ich drückte die Türklinke vorsichtig runter und, oh Wunder, die Türe war offen. Ich schaute in die Kabine und entdeckte das Elend: Lichttechniker Matze lag nur mit einer völlig zerlöcherten Unterhose bei strahlendem Lichterschein auf seiner Matratze. Ein Bein hing aus dem Bett, Matze lag quer, er schnarchte ein bisschen, die Bettdecke lag auf dem Boden. Es stank wie in einem Pumakäfig.
„Matze!“, sagte ich laut und deutlich. „Matze, du musst aufstehen!“ Nichts rührte sich. „Matze!“, rief ich nun richtig laut.
„Ääääh? Was? Wer? Wo?“ Matze war noch verwirrter als ich nach dem Anruf des Staff Captains. „Was machst‘n du hier?“, lallte er und versuchte, seine Augen offen zu halten. Das schien aber schier unmöglich.
„Matze. Du musst aufstehen, im Hospital wartet ein Alkoholtest auf dich. Berechtigterweise, wie man ja sehen und riechen kann“, erklärte ich ihm. „Du gehst jetzt aufs Klo, trinkst diese volle Wasserflasche hier leer, ziehst dich an und kommst raus. Ich warte vor der Tür auf dich. In fünf Minuten bist du fertig.“ Mein Tonfall wurde strenger. Immerhin musste ich wegen so einem Idioten nun extra früh raus. Da gibt ́s wirklich schönere Dinge – mein Bett war bestimmt noch ein kleines bisschen warm.

Ich verließ die Kabine und hörte von draußen, dass die Klospülung betätigt wurde. Na immerhin hatte er den Weg ins Bad geschafft. Kurze Zeit später stand er halb angezogen vor mir. „Hast du die Wasserflasche leer getrunken?“, fragte ich ihn. „Ja, also fast“, antwortet er. „Leer machen.“ Ich schickte ihn wieder hinein. Wenn Matze wegen zu hohen Alkoholpegels heute noch nach Hause geschickt würde, könnten wir keine Shows mehr im Theater spielen. Dann hätte ich knapp zwanzig arbeitslose Mitarbeiter, die nicht auf die Bühne können, weil einer zu doof ist, sich am Riemen zu reißen. Viel- leicht halfen ja 1,5 Liter Wasser, den Pegel ein bisschen zu regulieren. Die Flasche war leer getrunken und Matze stolperte wieder aus seiner Kabine. Im Gang stellte er sich kurz auf und schlug die Hacken zusammen: „Aye, Aye Captain, wir gehen jetzt ins Hospital!“ Ich hätte mich ausgeschüttet vor Lachen, quälte mich nicht im Hinterkopf der Gedanke, dass wir das Theater wegen Sauferei ab heute schließen müssten. Wie sollte man so was denn den Gästen erklären? Technischer Defekt vielleicht? Techniker defekt wohl eher!

„Boah, Matze, du Koffer, komm jetzt!“ Ich packte ihn unterm Arm und wir spurteten zum Hospital. Unterwegs hatte Matze dann noch die geniale Idee, an den anderen Kabinentüren Klopfstreiche zu spielen. Oh ja, er war immer noch in Partylau- ne. Zwischendurch klingelte mein Telefon: „Wo seid ihr denn?“, fragte der Arzt. „Wir stehen schon vor der Tür.“ Als der Doc den völlig zertrümmerten Matze sah, schüttelte er nur den Kopf. Er nahm ihn mit ins Behandlungszimmer. Kurz darauf war Matze wieder da. „Was passiert denn, wenn ich zu viel Alkohol getrunken hab?“ fragte er mich klein- laut, aber leider immer noch total besoffen. „Dann darfst du mit großer Wahrscheinlichkeit deine Koffer packen und nach Hause fliegen. Arrivederci, das war ́s!“ antwortete ich ihm.

„2,8 Promille.“ Der Arzt kam zu uns. „Bis heute Nachmittag 17:00 Uhr ausnüchtern und dann kommst du bitte nochmal zum zweiten Test vorbei. Um den Rest kümmert sich deine Chefin hier mit dem Staffkapitän.“ „Ups...“. Mehr konnte Matze dazu nicht mitteilen. Den Weg zu seiner Kabine schaffte er aber immerhin schon allein. Ich beschloss, eine kurze Dusche zu nehmen und ins Büro zu gehen. Ins Bett zurück lohnte sich jetzt auch nicht mehr.
Den ganzen Tag über hatte ich Termine wegen Matze. Die Proben mussten verschoben werden, ein Plan B für den Fall, dass Matze wirklich nach Hause geschickt würde, musste her. Nur der war gar nicht so einfach zu finden. Mittags saß ich dann schon zum zweiten Mal beim Staffkapitän im Büro. „Wie schlimm ist es denn für euch, wenn wir ihn nach Hause schicken?“, fragt er mich. „Nun ja, wir müssten dann das Theater schließen. Ohne Licht auf der Bühne ist es ziemlich dunkel im Theater“, antwortete ich. „Mmh – wirklich so schlimm?“ „Ja, zappenduster wäre es. Ich kann verstehen, dass er eigentlich nach Hause muss“, seufzte ich. „Für uns und das Team wäre es allerdings eine Katastrophe.“ „Was ist denn dein Vorschlag, was wir mit ihm machen sollen?“, fragte der Staffkapitän. „Gute Frage, aber da sein Vertrag sicherlich noch zwei Monate geht, würde ich ihm absolutes Alkohol- und am besten gleich Crewbar-Verbot erteilen und auch die Barkeeper mit ins Boot holen. Was anderes fällt mir gerade nicht ein.“

Bis 17:00 Uhr hörte ich nichts mehr. Dann klingelte das Telefon. Matze hatte seinen Rausch gründlich ausgeschlafen und war wieder nüchtern. Wir hatten nun nochmal gemeinsam einen Termin beim Staffkapitän. Er machte unserem Lichttechniker von Anfang bis Ende sehr deutlich klar, in welche blöden Situationen er nicht nur sich, sondern auch sein ganzes Team gebracht hatte. Matze war die ganze Sache sehr peinlich und er schämte sich in Grund und Boden. Am Ende bekam er eine Abmahnung und Crewbar-Verbot bis zum Tag seines Abstieges. Da hatte nicht nur er, sondern das gesamte Team nochmal so richtig Glück gehabt. Von da an machte Matze seine Arbeit richtig gut, fiel nicht mehr auf und trank auch keinen Tropfen mehr. In seinem nächsten Einsatz auf einem anderen Schiff wurde er jedoch leider wieder rückfällig, sodass man ihn nach Hause schicken musste.

Natürlich ist nicht immer Alkohol im Spiel, der ganz normale Wahnsinn trifft einen täglich und stocknüchtern. Denn an Bord, lebt man ja schließlich gemeinsam auf engstem Raum. Einziger Rückzugsort ist die Kabine, wo meist aber ebenfalls ein Mitbewohner hinter seinem Bettvorhang liest oder fernsehen möchte. Nichts ist los mit abends schön gemütlich nach Hause fahren, eine Runde über den doofen Kollegen lästern, sich mit den besten Kumpels treffen und aufs Wochenende warten. Das Schiff wird zur Ersatzfamilie und Kollegen zu neu- en Freunden. Der Chef wird zum Papa der Nation. Gibt es Probleme, wird nicht lange gefackelt, sondern sofort an Ort und Stelle ausgepackt, offen an- gesprochen und ausdiskutiert. Das kann manchmal ganz schön mühselig sein, aber es hilft ungemein.

Ein Kapitän hat mal gesagt: „Unsere Politiker sollten sich mal eine Scheibe von unserer Crew abschneiden. Wir leben mit so vielen unterschiedlichen Charakteren und Nationen an Bord, haben unseren eigenen Schiffsrat, eine „Volksvertretung“, die sich um die Belange der Crew kümmert und alle Trinkgelder verwaltet. Alle Probleme wer- den sofort hier vor Ort geregelt. Ein Schiff funktioniert wie eine kleine Stadt. Und hier läuft wirklich alles. Wir ziehen an einem Strang!“ Recht hat er. Doch das Beste unter Seeleuten ist immer: Was an Bord passiert, bleibt an Bord! Was wer verbockt hat und wer mit wem was hatte – alles bleibt auf dem Schiff. Getreu dem Motto: „Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas“. Es sei denn, jemand schreibt ein Buch darüber.




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